GEDICHTE

KUNST__PAUSE - Die Webgallery für - Skulpturen - Gedichte - und - Prosa - von - Siegfried Swiderski -

- Verkauf -

 

Zum Buch
Siegfried Swiderski, Gedichtband
Aus Nacht und Traum
Das klingt wie eine Standortbe-
stimmung und soll es wohl auch
sein. Aber schon der Versuch,
diesen Punkt festzulegen, lässt
uns unsicher werden. Wir haben
plötzlich wieder das Gefühl, am
Anfang zu stehen. Nein, Ruhe
geben uns diese Gedichte nicht.
Und sie geben auch keine Ant-
wort. Dazu sind sie zu ungenau,
sie widersprechen sich und
weichen aus. Aber dennoch:
Es ist wohl gerade die Bewegung
am Rande des Chaos,die diese
Gedichte so wichtig machen und
so unentbehrlich für uns. Damit
wir es verstehen lernen, das
Chaos - von dem wir ja alle nicht
so weit entfernt sind, als dass
wir es vergessen könnten - in Zu-
kunft etwas besser zu handhaben.

128 S./13,5 x 20,5 cm
9,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1001

Aus dem Inhalt, Seite 62

Und höre ich singen

Zur Kühle lud
des Abends mich,
gelehnt an die Märchen
des raunenden Winds,
der Bäume Lied.

Und hörte ich schlafen
in der Stille des Nachts,
wie Sommeratmen
sich breitender Zweige,
deines Auges Hunger,
und rührten mich,
im Traume zitternd,
den Vögeln gleich,
wie taube Finger
die dämmernden Lippen
deines wehen Gesichts,
so war mir Gewißheit,
auch ohne das Rascheln
deiner lächelnden Worte,
daß du mich liebst.

Und höre ich singen,
auch morgen noch,
der Torheit zum Trotz
meiner bitteren Meere,
unter Klippen ein Lied,
so hör ich noch immer,
den Träumen gleich,
wie flüchtiges Wachsen
und zitternd vor Fremde,
daß du mich liebst.

Zum Buch
Wenn Werber schreiben, wie sie
schreiben möchten. Der "Concours
Creative" war die Idee einer profes-
sionellen Neugier:
Wie würden eigentlich Werber
schreiben, wenn sie gar nicht
schreiben müssen?
Und: Wie würden Werber, die an
sich nichts mit dem Schreibhand-
werk zu tun haben, und worüber
würden sie schreiben, wenn man sie
schreiben ließe?
Wir hatten versprochen, eine Aus-
wahl der Einsendungen zum
"Concours Creative" in einem Sam-
melband herauszugeben.
Hier nun das Ergebnis.

172 S./11,5 x 21 cm
9,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1002

Aus dem Inhalt, Seite 127

Vergiß nicht

Vergiß nicht die Zahlen,
des Bogens Schärfe
und auf transparenten Papieren
die Fremdheit des Zeichens
der Winkel und Maße.
Vergiß nicht das Handeln,
das Zögern und Zweifeln
und vergiß nicht
das Hoffen,
das Planen und Wagen
und die tausend und tausend
Gespinste der Normen.

Da wir gesessen,
gelehnt an die Steine,
unter Faltern zu zweit
und gen Süden geträumt
mit unseren Mündern
des Gondellieds Traum,
du hattest begonnen,
im Gehäuse bereits
meiner tonlosen Lippen
Atlantis zu finden
und die Schläge der Andacht
versunkener Glocken.

Vergiß nicht den Zufall,
des Kirschbaums Enge.
Vergiß nicht die Schnäbel
und die Gesänge
vergessener Vögel
und vergiß nicht vor allem,
daß es noch Zeit ist,
für den Schlaf unter Palmen
und Zeit auch dafür,
Rochen zu sammeln
und das Geheimnis der Klippen
von den Muscheln des Tags.
 
 

 
 

Zum Buch
LYRIK HEUTE
das bedeutet aktuelle Lyrik, was
aber nicht versifizierte Bekennt-
nisse irgendwelcher politischer
Gruppen beinhaltet, diese bewe-
gen zwar manche Gemüter, aber
nur manche zu ihrer Stunde,
ansonsten verblassen sie. Dieser
oder jener Autor mag früher
oder später mal zur Elite gehören,
die vorliegende Ausgabe
"demokratisiert" die Dichtkunst,
hier schreiben Zeitgenossen für
Zeitgenossen, hier kommt eine
bewundernswerte kleine Minder-
heit zu Worte, die sich durch die
Gabe unterscheidet, dass sie ihre
und auch die Gedanken und
Empfindungen anderer sinnvoll
und verdichtend, lyrisch zu
formulieren versteht.

Bd. I: 214 S./Bd. II: 188 S.
Kassette 10 x 21 cm
24,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1003

Aus dem Inhalt, Bd. I,
Seite 155

Durch Ewigkeiten

Durch Ewigkeiten,
die ein wenig mehr
und täglich sich neigen,
blüht uns der Tag
einer mächtigen Sonne,
durch Traurigkeiten,
die ein wenig mehr
und täglich erkalten,
und durch die Gebirge
zerbrechlicher Städte,
die ein wenig mehr
und täglich sich weiten,
uns blüht die Gewalt
eines mächtigen Tags.

Durch Meer und Gestirne
und durch die Gebärden
verlassener Tänze,
die ein wenig mehr
und täglich sich zeigen,
blüht uns das Wort
einer mächtigen Fremde,
und durch die Bätter
und die Blüten der Zweige
verworrener Hecken,
die ein wenig mehr
und täglich veralten,
uns blüht der Gesang
eines mächtigen Tags.

Zum Buch
Taube und Dornenzweig
Taube - Sinnbild des Friedens,
Bote, Künderin - hier mit dem
Dornenzweig. Unter diesem Titel
wurden "Friedens"-Gedichte
zusammengefasst, die nicht in
vagen Wünschen nach rosaroten
Zeiten ausufern, sondern sich viel-
mehr, in Kenntnis der harten Reali-
täten um uns und in uns, kritisch
mit den täglichen Gegebenheiten
auseinandersetzen, und sich mit
jeder Art von Kommunikation und
Zusammenleben befassen - und
zum Umdenken bewegen. Denn
Lyriker sollten ebenfalls Künder
sein, Mittler, Mahner, sollten eine
Lanze für den Frieden brechen, für
einen Frieden, der in uns beginnt.
Sie sollten mit Ihren Gedichten für
eine bessere Welt eintreten, für
Toleranz plädieren.

178 S./10 x 21 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1004

Aus dem Inhalt, Seite 137

Den Wolf nicht zu treffen

Den Wolf nicht zu treffen,
am Morgen
halt ich
die Hunde zurück.

Ich nehme mir vor,
nicht an Märchen zu glauben,
meine Meinung zu ändern
und nicht meine Tür
nur jenen zu öffnen,
die, so nutzlos wie ich
und ungeduldig,
spät am Abend
mit Mädchen gespielt
und schlüpfrigen Worten
zwischen Hochhausfassaden
und betrunkenem Licht.

Und den Wolf nicht zu treffen,
immer noch
halt ich
die Hunde zurück.

Und ich nehme mir vor,
spät am Abend
mit dir zu schlafen.
Und im Chaos der Küsse
weiß ich, zitternd
zwischen Märchen und Moder,
die satten Hunde
zerbeißen dennoch
die Kehle des Wolfs.
 
 

 
 

Zum Buch
Autoren stellen sich vor
In dieser kleinen aber attraktiven
Ausgabe im Westentaschenfor-
mat kommen max. 25 Autoren zu
Wort. Aufgenommen wird, was
bezeichnend für den Lyriker ist,
ein kleiner dokumentarischer Bei-
trag zur Gegenwartslyrik. Zum
besseren Verständnis der Lyrik
kommen zu den Texten ein State-
ment des Autors, eine Kurzbio-
graphie, ferner Bild und Signatur
- der beste Weg, Lyrik einer
breiteren Leserschaft nahe zu
bringen; Lyrik hier also
nicht als "sonntägliches" Wort,
sondern als alltägliche Lektüre,
als Arbeitsunterlage. Dazu soll
auch das Format beitragen, ideal
zum Einstecken auf Reisen, zur
Diskussion im Freundeskreis, zum
Durchblättern während einer
Arbeitspause. Interessant für alle,
die sich nicht mit einer umfangrei-
chen Anthologie, sondern mit
einer kleinen Anzahl moderner
Lyriker intensiver auseinander-
setzen wollen.

114 S./10 x 21 cm
9,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1005

Aus dem Inhalt, Seite 103

Licht des Mondes

Ich höre dich
und deinen Hufschlag,
Licht des Mondes,
du Reiter der Nacht.

Du bist gekommen
und wecktest mich
und reitest lautlos
von Mauer zu Mauer,
durch schlafende Fenster
und grünes Gestein
und befiehlst deiner Stute
aus geronnenem Licht,
mich zu führen,
der ich gekommen bin,
träumend noch einmal,
hinter den Lippen
zu suchen das Wort
der Verlorenheit.

Ich höre dich,
Licht des Mondes.
Und trotz deiner Hufe,
das Rascheln der
Schnecken
an meiner Schläfe
höre ich auch.

Zum Buch
DAS GEDICHT '87
ist ein Gedichtband, repräsentativ
in der Auswahl und repräsentativ
in der Aufmachung. Seite für Seite
beste typographische Gestaltung
verbunden mit drucktechnischem
und buchbinderischem Können.
Wir haben für diese Anthologie
keine feste Thematik gewählt.
Was zählt, ist nicht der Bekannt-
heitsgrad des Autors und nicht die
Form des Gedichtes, sondern allein
die Qualität.

134 S./24 x 27 cm
19,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1006

Aus dem Inhalt, Seite 126

Ich baue ein Haus

Aus Lachen und Weinen,
aus Jahren der Armut
und silbernen Träumen
bau ich ein Haus.
Zum Tanzen bau ich
um schimmernde Tafeln
aus Marmorklängen
und blühenden Hecken
ein goldenes Haus.

Mit Fluglicht und Schatten,
mit Liedern der Vielfalt
und geräumigen Schritten
bau ich ein Haus.
Aus Liebe bau ich
um tönende Brunnen
mit Steingirlanden
und schwingenden Glocken
ein begehrliches Haus.

Mit gesponnenen Flügeln
und Farben der Fülle
aus üppigen Gläsern
bau ich ein Haus.
Als klingenden Spiegel
meiner flatternden Seele
nach Plänen der Zukunft
bau ich ein Haus.
 
 

 
 

Zum Buch
Eine Auswahl neuer Gedichte
unter dem Titel
Denn Du bist bei mir
Das Thema Trost, Hoffnung,
Vertrauen, Teilnahme, ja Solida-
rität ist breit gefächert, und wir
alle sind täglich damit konfrontiert.
Wir greifen dann nach Worten
wie: "Es wird alles wieder gut",
"Sei nicht mehr traurig", "Freue
dich", "Weine nicht mehr",
"Fangen wir wieder neu an",
"habe Mut...", Tenor bleibt,
auch wenn die Rollen vertauscht
sind, wenn nicht wir dieAkteure
sind, sondern selbst Hilfe suchen
und finden: "... denn du bist bei
mir". Wir alle kennen die Einsam-
keit und die Macht des tröstenden
Wortes. Gedichte können Zu-
spruch und Teilnahme sein.

194 S./12,5 x 21 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1007

Aus dem Inhalt, Seite 156

Du weinst, mein Kind

Du weinst, mein Kind,
weil die Türme nicht,
weil die Brücken nicht
der Mitternacht
wie Blumen sind.

Du fürchtest dich
und weinst, mein Kind,
weil der Tod es ist
und nicht der Schlaf,
wie jede Nacht,
mit dem du sitzt
und Märchen spinnst
am schwarzen Tisch,
wie sonst, mein Kind,
wenn der Tag versinkt.

Du zitterst,
wenn du fragst, mein Kind,
wohin das Weh
des Tags dich bringt,
und bangst um dich,
wie ich, mein Kind.
Du bittest nackt
und bloß wie ich
und bittest Gott,
wie ich, mein Kind,
daß er dich liebt,
und daß da nie,
auch ferner nicht,
ein Tag wird sein,
der dich betrifft.

Zum Buch
Primär ist Lyrik eine Einstellung
zu den Dingen, zum Leben, und
nicht ein typrographisches Pro-
dukt. Aber was wäre Lyrik ohne
Ästhetik oder Ästhetik ohne
Lyrik? Eines bedarf des anderen.
DAS GEDICHT '89
eine Sammlung neuer Lyrik, will
diesem Anspruch ganz besonders
Rechnung tragen. Der Buchhandel
bestätigte im letzten Jahr die
Hinwendung des Lesers zu wert-
vollen, bibliophilen Ausgaben, weil
das Buch schon immer seine
Bedeutung als Geschenk hatte.
Wir haben für diese Anthologie
keine feste Thematik gewählt. Was
zählt, ist allein die Qualität der
Gedichte.

104 S./24 x 27 cm
19,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1008

Aus dem Inhalt, Seite 71

Wie schön du auch bist

Wie schön du auch bist,
nach Erde schmeckt,
nach zerschnittenem Marmor
dein flatterndes Haar.

Nach der Kühle des Meeres,
nach des Salzes Bitterkeit,
nach Regenbogen
und Blütenstaub
halte ich Ausschau.
Aus dem Zwiegespräch
kreischender Möwen
und aus der Einsamkeit
schrecke ich auf,
das Wunder zu spüren
in der Bucht deiner Schläfen,
wenn dein Auge mich sieht.

Ich glaube des Abends
an Gottes Gebote,
die ich verleugnet,
und gedenke leise,
mit zerriebener Stimme
für alles zu beten,
was lebendig wie du
und zerbrechlich ist,
damit es dich bittet,
am Ufer der Fremde,
unter dem Grauen
entsetzlicher Sterne
und unter des Mondes
bleichem Gesicht,
trotz aller Schönheit,
für immer zu sein
im Zeichen der Liebe
aus Erde ein Traum.

Doch wie schön du auch bist,
mit der Spur einer Träne,
wenn dein Schlaf sich erfüllt,
auf Kieselbänke
bettet die Erde
dein erloschenes Haar.
 
 

 
 

Zum Buch
Liebe wurde schon zu allen Zei-
ten besungen, aber jede Gene-
ration hat ihre eigene Melodie.
Diese Buch mit demTitel
Sang so schön die Nachtigall
ist eine Auswahl dessen, wie
Lyrik heute dieses Thema zum
Ausdruck bringt. Das Thema
"Liebeslyrik" beschränkt sich
nicht nur auf zwischenmensch-
liche Beziehungen, ist nicht
nur ein minnegleiches Besingen
der oder des Geliebten, es kann
auch ein Lied sein, das Sehnsucht
nach Gott ausdrückt, das Glück
und Seligkeit beinhaltet; es kann
ebenso kritische Auseinander-
setzung mit dem Du sein, voller
Skepsis, kurz, Liebe in all ihrer
Vielfalt.

290 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1009

Aus dem Inhalt, Seite 168

Und dann bei Nacht

Und dann bei Nacht,
ich habe gelegt
mein Herz zu dir
und träumte,
von Liebe zu schweigen,
das Weh deiner Fremde
dein Lächeln so hell
und Lichter des Monds
auf weißes Papier.

Und dann bei Tag,
ich habe getragen
mein Herz zu dir
und schrieb,
von Liebe zu schweigen,
die Qual deiner Nähe,
deiner Schritte Flucht
und, halb verweht,
deines Worts Beginn
wie Spuren der Sonne
auf weißes Papier.

Und dann,
später am Abend,
ich habe begraben,
von Liebe zu schweigen,
auf verlorenen Wegen
wortlos mein Herz
und träume nur
Sehnsucht, Weh,
der Fremde Vergessen
und Abschied von dir
mit leerer Gebärde
auf weißes Papier.

Zum Buch
Nichts wird in der Lyrik neben der
Liebe so häufig besungen wie die
Jahreszeiten. Wie steht der zeitge-
nössische Autor zu Frühling,
Sommer, Herbst und Winter?
Auch Sie haben sicher schon eine
landschaftliche Stimmung einge-
fangen. Ob zartes Grün der Saat,
wogende Kornfelder, Stoppelfeld
und Drachenspiel oder Schnee
und Krähenschrei - nur ein Stück
Feld, das sich lyrisch so vielfältig
bearbeiten lässt. Unerschöpflich
die Anregungen, in sich hineinzu-
horchen.
Wir haben uns mit der Anthologie
Die Jahreszeiten
die Aufgabe gestellt, die schönsten
Gedichte zeitgenössischer Autoren
zusammenzutragen.

252 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1010

Aus em Inhalt, Seite 197

Ich bin wie sie

Ein Wintertag,
die Wölfe kauen Eiskristall.
Auch ich mach mit,
benutz wie sie
den weißen Tisch
und werfe,
verloren wie sie,
Hungernetze
in die Fremde des Zufalls
und sitze wie sie
und klage dem Mond
den Horizont meiner Leere.

Ich bin wie sie
und folge wie sie
dem Blutgeruch
lebendiger Beute
und sitze wie sie
am weißen Tisch
und plane Spuren,
König zu sein
im Wattespiel
der Einsamkeit.
 
 

 
 

Zum Buch
Ausgewählte Gedichte, Nacht-
gedichte, unter dem Titel
Nacht, lichter als der Tag
Besonders beliebte Themen in
der Lyrik sind die Liebe, der
Herbst und die Nacht. Die Nacht
mit ihrer Schönheit, mit ihrer
Einsamkeit und Zweisamkeit, mit
ihren Ängsten und ihrer oft
bangen Erwartung des Morgens,
aber auch mit ihrem Trost, ihrer
Hoffnung und Gelassenheit.
Nacht, in der das Licht erlöscht
und geboren wird. Nacht, die uns
zu unserem eigenen Kern und
näher zu Gott bringt... Ein Thema
mit einem breiten Spektrum, in-
teressant für Dichter? und Leser.

200 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1011

Aus dem Inhalt, Seite 144

An die Sichel des Mondes

An die Klippen des Abends,
an die Dunkelheit
und an die Stirn des Vergessens
richte ich,
wenn die Sonne verstummt,
meines verlorenen Wortes
letzten Schrei
und richte den Abschied
und mit ihm das Klirren
des Schritts meiner Fremde
nach Gärten aus,
nach murmelnden Bächen,
von denen des Nachts,
wenn Einsamkeit,
wenn Weinen war,
ich immer geträumt.

An die Sichel des Mondes,
an die Kühle und Dauer
entzündeter Sterne
und an die Gespräche
der Augen des Himmels
richte ich,
wenn Schlaf mir ist,
des matten Fußes
letzten Schritt
und richte den Zufall
und mit ihm das Bangen
des Blicks meiner Leere
nach Blüten aus,
nach flüsternden Wiesen,
von denen ich immer
und immer geträumt.

Zum Buch
Eine Auswahl neuer Gedichte zum
Thema Heimat unter dem Titel
Unterm Fuß zerrinnen euch die Orte
Welches Verhältnis hat der heutige
Lyriker zum Begriff "Heimat"?
Gemeint ist nicht nur die physische
Heimat, sondern auch die geistige,
die verlorene, das, was heute wieder
gesucht und trotzdem mehr denn je
in Frage gestellt wird. "Heimatlo-
sigkeit wird Weltschicksal", orakelt
schon Heidegger. Gleich, ob Heimat
heilige Natur und Erdverbunden-
heit bedeutet oder metaphysische
Unbehaustheit des Menschen -
es gibt viele Aspekte, die Heimat
im Gedicht festzuhalten.

152 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1012

Aus dem Inhalt, Seite 103

Nicht erwünscht gewesen

Nicht erwünscht gewesen
doch gekommen
Brot gegessen
das der Armen
hungrig geblieben
nach Armut gerochen
draußen gestanden
in kaltem Zimmer
ersatzgeträumt
nach schönem Mädchen
Sehnsucht gehabt
in Märchen geflüchtet
aus Traurigkeit
voll Liebe gewesen
nichts begriffen
mit Einsamkeiten
Schloß gebaut
nichts unversucht gelassen
Traumerfüllung vorgeplant
Kreis gezogen ohne Mitte
zum Ausgangspunkt
zurückgekehrt
wieder gegangen
Wege gefunden
Schritt um Schritt
hier angekommen
ohne Wissen warum.

Ich mißtraue vor allem
der Sicherheit.
Es fehlen die Gründe,
mich glauben zu lassen,
daß ich nicht falle.
 
 

 
 

Zum Buch
Heimkehr
Das Thema beschränkt sich
nicht auf Heimkehr in die Heimat,
in eine Landschaft oder in eine
Familie, es lässt sich mit Vorliebe
sublim behandeln. Heimkehr als
Finden zu sich, als Suchen nach
dem Sinn des Lebens - und wer
immer danach fragt, muss sich
auch nach dem Sinn des Sterbens
fragen: Tod als Heimkehr. Heim-
kehr als der Weg zu dem, der allein
unsere Sehnsucht stillen kann.
Da Lyrik auch Widerspiegelung
gegenwärtiger Welterfahrung ist,
enthält das Thema ebenso eine
Infragestellung des Begriffes.
Heimkehr als Surrogat: Das Prob-
lem des Alters, der Weg ins
Altenheim, in die Isolation. Oder
die Fragwürdigkeit des Eltern-
hauses für viele Kinder und
Jugendliche, die Flucht in eine
Kommune, der Griff zur Droge,
die Geborgenheit ersetzt. Heimkehr
für manche die Sozialstation, die
Parkbank oder der Bahnhof als
harte Realität.

198 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1013

Aus dem Inhalt, Seite 132

Trennen uns auch

Trennen uns auch,
noch träge, flach,
vor Tag bereits,
Häuser, Mauern,
Gärten, Türen,
Stuhl und Tisch,
so weiß ich doch dies:
Im Spiegel das Bild
vom Lidschlag der Nacht
und dahinter dein Auge,
treibend mit mir,
schlafverwaschen
und zitternd mit mir
über gleichem Grund,
sind,
mir heimlich verwandt,
Fäden des Zaubers,
daß ich nicht falle,
namenlos,
durch die Löcher der Zeit.

Und trennen uns,
erfüllt bereits,
vor Abend schon,
Haben, Soll
des Augenblicks,
der Stundentakt
und andres Tun,
so weiß ich doch:
mir ist vertraut
die Art, wie du
die Dinge nennst,
und höre auch
den Doppelton
des gleichen Bilds,
der in uns schlägt
und Atem holt,
und bin gewiß,
daß nichts mehr fällt,
auch morgen nicht,
was uns betrifft.

Und trennt uns auch,
mit grellem Schnitt
erbarmungslos
und jeden Tag,
von Liebe, Schlaf
und Mitternacht
das helle Licht
der Wirklichkeit,
und schlägt uns auch
der Wind bereits
von morgen schon
die Türen zu,
so weiß ich doch:
Aus tiefer Nacht
in uns klingt fort,
ganz leise fort,
für alle Zeit
das gleiche Lied
vom gleichen Tod
des einen Traums.

Zum Buch
Der Himmel ist in dir
Gedichte sind - wenn man sich
bemüht, sie unter bestimmten
Aspekten zu lesen - oft Ersatz
für das, was wir modernen Men-
schen vergessen oder gerne
verdrängen: das Gebet. Texte im
Alten Testament, in religiösen
Schriften anderer Völker, in der
Mystik usw. sind oft reinste Lyrik,
gleich ob Mahnung, Zorn oder
Vergebung aus ihnen spricht, ob
sie auf die Schönheit der Natur
hinweisen, auf ihre Verletzlichkeit
oder auf die Unverletzlichkeit des
menschlichen Lebens.So sprechen
wir denn auch in unseren Gedich-
ten gleiche Themen an, drücken
Dankbarkeit aus, Freude und
Bewunderung, Trauer, Ängste,
Liebe und Zuversicht - und dabei
ist es wohl kaum einem bewusst,
dass diese Worte uns ins Herz
gelegt worden sind. Gott spricht
durch uns wie durch seine Prophe-
ten, mit dem Unterschied, dass
diese Ihren Auftrag sahen, von
ihrer Sendung überzeugt waren,
während wir oft an unseren Worten
zweifeln, bedingt durch Skepsis,
die ihre Wurzeln in der Geschichte
hat und in der eigenen Lebenser-
fahrung. Wir sollten Gedichte ernst
nehmen, denn sie vermögen Gedan-
ken und Gefühle zu wecken, die
Mut machen, aufrichten, Grenzen
erkennen lassen, die ein Licht
entzünden, das helfen kann.

254 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1014

Aus dem Inhalt, Seite 234

Ein Lied bin ich

Am Ufer des Abends,
mit zerbrechlichen Händen
gehe ich fort,
weiter und weiter,
Mörtel aus Staub,
und baue
ins Blaue der Nacht
mein verlorenes Wort.

Ein Lied bin ich,
mit bleichem Lächeln
gehe ich fort
und klinge und klinge
und versuche,
Gemäuer aus Licht,
der blauen Schatten
Tränen der Trauer
und Gefährte zu sein.

Ein Lied bin ich
und gehe fort
und versuche,
Vernunft der Träume,
eines Abends
Turm zu sein
und Spiel einer Glocke
ins Blaue der Nacht.
 
 

 
 

Zum Buch
"Wenn ich mit Menschen- und
Engelzungen redete, hätte aber
die Liebe nicht, so wär' ich wie
ein tönendes Erz oder eine klin-
gende Schelle."(l. Kor. 13) In der
Dichtung motiviert vor allem
die Liebe, Ersehntes, Erlebtes,
Gewonnenes und Verlorenes
zu besingen. Liebe ist aber nicht
nur Freude, sie kann auch mit
Leid verbunden sein, das unser
Ich auf die Probe stellt und aus
uns eine Seele macht. Liebe in
ihrer ganzen Vielfalt: als partner-
schaftliche Bindung, als Bewun-
derung, als heimliche oder erfüllte
Sehnsucht, als Berührtsein vom
Kind, als Hinneigung zum
Nächsten, als Liebe zu Gott oder
als seine selbstlose Liebe zu uns,
aber auch als Liebe zu den Dingen
um uns, die uns erfreuen. Liebe
wurde schon zu allen Zeiten
besungen, aber jede Generation
hat ihre eigene Melodie. Eine
Auswahl wurde unter dem Titel
Und redete ich mit Engelzungen
zusammengefasst.

240 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1015

Aus dem Inhalt, Seite 208

Ein Tag aus Blei

Wenn Gläser klirren,
wenn Lied und Spiel
und Tanz sind aus,
was bleibt ist nur
nach alledem
als dunkles Weh
und Abschied noch
ein Tag aus Blei.

Wenn schmerzlich mich
dein Lächeln trifft
und wenn du gehst
nach letztem Wort,
nach Gruß und Kuß
und letztem Schritt
ins Unbekannt
für immer fort,
was bleibt ist nur
nach alledem
als blinder Rest
und Zuflucht noch
am Horizont
ein Tag aus Blei.

Und wenn du gehst,
von allem müd,
was du gewollt,
als Gast des Tods
für immer fort,
dann mach auch ich,
so fremd wie du,
ins Nichts mich auf
und bin bereit,
im Wind zu sein,
von allem müd,
was du gewollt,
als Lied nur noch
ein Tag aus Blei.

Zum Buch
Umbruchzeit
ist eine Sammlung von Gedichten
zum Jahrtausendwechsel.
Wir leben aus der Vergangenheit
in der Gegenwart für die Zukunft.
Umbruchzeit.... Dieses Wort bezieht
sich auf das, was war und auch auf
das, was ist, denn das Jetzt lässt
sich physikalisch nicht messen, das
Jetzt ist ein persönliches Befinden
und seine Endlichkeit vollzieht
sich jeden Augenblick. In der Um-
bruchzeit ist das einbezogen, was
kommen wird, ob es der erwartete
Morgen ist oder die Wende in das
nächste Jahrtausend. Die Wende,
das können die Schatten sein,die
unsere Gegenwart vorauswirft, es
kann auch der rosarote Streifen am
Horizont sein, der uns mit Hoff-
nung und Zuversicht erfüllt.

142 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1016

Aus dem Inhalt, Seite 107

Windwärts neigt

Windwäts neigt
zum Süden sich
meine neues Haus.
Traum bricht auf
ins Dachgebälk,
und Vogelflug
und Sonnenlicht
gehn ankerauf.

Noch ehe der Schnee
zu Liedern schmilzt
und hügelab
zu Weite wird
in Fluss und Bach,
mein Blick weht
über Dächern aus,
und rascher noch,
bevor mich streift
ein Tau von Süd
und Heiterkeit,
den Vögeln gleich,
mein Schritt, so leicht,
geht ankerauf.

Talwärts reicht
zum Süden hin
mein neues Haus.
Raum sonnt sich
am Giebelrand,
und Flügelschlag
und Atemzug
gehn ankerauf.
 
 

 
 

Zum Buch
Lyrik ist primär eine Einstellung
zu den Dingen, zum Leben, und
kein typographisches Produkt.
Aber was wäre Lyrik ohne
Ästhetik oder Ästhetik ohne
Lyrik? Eines bedarf des anderen.
DAS GEDICHT 2000
ist eine Anthologie von Gedichten,
die dieser Tatsache ganz beson-
ders Rechnung trägt.
Der Buchhandel bestätigt die
Hinwendung des Lesers zu
wertvollen, bibliophilen Ausga-
ben, weil das Buch schon
immer seine Bedeutung als
Geschenk hatte und unsere, durch
ein Übermaß an Angeboten über-
sättigte Gesellschaft sich wieder
an die gute alte Tradition erinnert.
Diese Anthologie hat keine feste
Thematik. Was zählt, ist nicht der
Bekanntheitsgrad des Autors
und nicht die Form des Gedichtes,
sondern allein die Qualität.

126 S./24 x 27 cm
19,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1017

Aus dem Inhalt, Seite 57

Auf dunklen Flößen

Auf dunklen Flößen,
die du mir gabst,
nachdem wir gestritten,
treibe ich ab.

Und auf den Gewässern,
den bläulichen, weiten,
ich zähle die Leere,
die Kisten und Kasten,
die mir geblieben,
voll Wehmut und Trauer
und totem Gewinn.

Noch fällt in mir
ins Nirgendwo
die Angst der Nacht,
noch schlägt mein Herz
dem Kummer nach,
den du mir gabst
des einen Worts
und sucht mit mir
im Dämmerlicht
die Fenster ab,
an denen du
mir Zeichen gabst
des Glücks so voll,
das uns geliehn
nur dieses Mal
der eine Tag.

Ich finde nichts,
an leeren Flößen
die Gräser welken
und unter der Fremde,
die du mir gabst,
zu neuen Ufern
treibe ich ab.

Zum Buch
Das Wort - ein Flügelschlag
Nicht mehr? Nur ein Hauch, der
keine Spuren hinterlässt, etwas
Flüchtiges, nichts Greifbares,
ohne Bestand? Oder ist ein Flü-
gelschlag nicht eher etwas, das
sich entfaltet, erhebt, trägt und
zu einem Ziel hinführt?
Rainer Maria Rilke sagt, um Verse
zu schreiben, müsse man wie die
Vögel fliegen. Und wer kennt nicht
das ewig junge Gedicht von
Joseph von Eichendorff: "... und
meine Seele spannte weit ihre Flü-
gel aus, flog durch die stillen
Lande, als flöge sie nach Haus."
Hier werden uralte Sehnsüchte
beschworen, die sich durch
Jahrtausende nicht verändert
haben und für die Dichter aller
Zungen unauslöschliche Bilder
und Verse gefunden haben.

220 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1018

Aus dem Inhalt, Seite 156

Wo du bist

Wo du bist
und Freude atmest
und die Weite des Winds,
lehn ich ins Blaue
den Weg meines Schiffs
und träume fort
das Bild deiner Augen
ins Märchenland
und breite noch immer
vor meiner Fremde
die Meere aus
und folge,
für meine Stille,
Horizonten der Wehmut
in deinem Gesicht.

Wo du bist
und Sehnsucht wirfst
und Wärme ins Nichts,
lichte ich Anker
und treibe fort,
geführt vom Feuer
der einzigen Insel,
die dich betrifft,
und schlage
mit Purpurkorallen
Kreuze
in die Klippen der Anmut
und warte auf alles
und trinke die Kühle
deines offenen Haars.

Wo du bist
und Lieder singst
und von lärmenden Gipfeln
Traum eines Sommers
in die Biegung der Nacht,
rufe ich leise
Girlanden zurück
meiner farbigen Trauer
und schließe mich an,
ungeübt,
dem Atemzug
meiner reglosen Ruder
und lasse mich ein
mit Zufall und Würfel
an den Küsten des Lichts
deiner unruhigen Schläfen.
 
 

 
 

Zum Buch
Posthorn-Lyrik
Posthornromantik, dieses Requi-
sit des 19. Jahrhunderts, Thema
einer modernen Anthologie? Und
das im Zeitalter des Internets, der
Düsenjets und einer von einem
einflussreichen Insiderkreis for-
cierten Lyrik, die postmodern und
experimentell sein muss! Zu den
schönsten Kompositionen von
Wolfgang Amadeus Mozart
gehört die Posthorn-Serenade.
Das Posthorn als Synonym für
Femweh, Abschied, Unterwegs-
sein, Ankommen. Es müssen als
Assoziation zum Posthorn
nicht Wegstrecken sein, vorbei-
ziehende Landschaften, sondern
auch unsere ganz persönlichen
Befindlichkeiten wie Leben und
Freude, Liebe und Sehnsucht, Leid
und Abschied, alles was die Herzen
der Menschen damals ebenso
bewegte wie heute unsere, und
für die die Lyrik im Laufe der Zeit,
und vor allem in der Romantik,
unauslöschliche Bilder und Verse
gefunden hat.

158 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1019

Aus dem Inhalt, Seite 126

Die Karten sind falsch

Neapel, Pompeji, Sorrent:
Zwei Stunden noch
und angekommen
nach dreieinhalb Tag
und vor uns schläft Capri
und schläft seit Gedenken
auf dunstigem Meer.

Wie Kolumbus ein bißchen,
ein bißchen auch schon
Pizarro und Cortez
- wir gehen an Land
und verriegeln den Wagen
und träumen flüchtig:
"Lagunen und Neuland"
und kauen Chianti
und hoffen nur,
daß uns keiner bestiehlt.

Neapel:
Ich weine lautlos
den Zerfall jeder Stadt.
Und hinter Florenz:
Die toskanischen Bauern,
sie bleiben mir fremd.

Und wieder im Hause:
- Kolumbus ein bißchen -
wir verwechseln die Filme
und schreiben Karten
und verschweigen uns heimlich:
"Die Karten sind falsch".

Zum Buch
Gestern ist nie vorbei
Die Zeit trägt uns, und wir tragen
die Zeit in uns. Fragen nach ihr,
das Nachsinnen, was sie ist, was
sie für jeden persönlich bedeutet,
haben uns schon immer bewegt
und bringen es heute zur Hoch-
konjunktur dank der unermüd-
lichen Präsenz der Medien, gefüt-
tert von einer Wissenschaft, die
das Thema immer neu aufgewärmt
serviert und in ein neues Licht
taucht, angefangen über Physik,
Astronomie, Psychologie, Philo-
sophie bis hin zur Theologie.
Warum sollte in diesem Reigen
die Lyrik fehlen? Im Internet zählen
wir dieZeit nicht mehr nach Stun-
den oder Minuten, sondern berech-
nen sie in Bits. Die Zeit läuft uns
davon, denn das Heute ist morgen
schon Gestern. Und doch lässt
sich die Zeit wie das Pendel einer
Uhr anhalten, wenn man Hilde
Domin Glauben schenken will, die
sagt: "Der Lyriker bietet uns die
Pause, in der Zeit stillsteht". Das
Pendel beginnt immer dann aufs
Neue zu schwingen, wenn ein
Leser das Gedicht wieder in sich
aufnimmt.

238 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1020

Aus dem Inhalt, Seite 211

Weicher Mond

Weicher Mond,
du Spiegelball
aus totem Stein,
kühl meinen Atem
mit Helligkeit
und silbernem Glanz,
und mit den Tönen
vom geliehenen Licht,
beruhige mein Herz,
wenn es verloren
den Schatten streift
der Bank im Park
und den Spuren folgt,
die längst verweht,
der letzten Geliebten
zwischen Hecken,
die schweigen,
und mahlendem Wind.

Stummer Mond,
du Spiegelball
aus kaltem Stein,
füll meine Hand
mit geliehenem Licht
vom Tage der andern
und sage dem Schatten,
der längst verweht,
der letzten Geliebten
auf der Bank im Park,
wie glücklich ich bin
zwischen Spuren,
die waren,
und mahlendem Wind.
 
 

 
 

Zum Buch
Anstöße
Wer immer sich mit der schöns-
ten, aber heute wohl unwich-
tigsten Literaturgattung abgibt,
der Lyrik, aus purer Langeweile,
oder weil er ein hoffnungsloser
Idealist ist, vielleicht gar Dichter,
und wer dabei nach grobmaschi-
gen Tendenzen moderner Gedichte
sucht, dem werden zwei Katego-
rien auffallen: meditative und
provokative Gedichte. Oft behan-
deln beide gleiche Themen. Doch
ob es Liebe oder Freude ist, Trauer
oder Schmerz, ob es hehre Gedan-
kenflüge oder nur persönliche
Befindlichkeiten sind, die den
Dichter zur Feder oder zum Laptop
greifen lassen, ob Worte den
grauen Zellen entspringen oder
aus dem Herzen kommen - sie
wollen und sollen Anstöße geben.

184 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1021

Aus dem Inhalt, Seite 111

Wenn dich Trauer erreicht

Wenn dich Trauer erreicht,
die des Tags
und der Nebelzeit
und die der Fremde,
die du gestreut,
da du sicher gewesen,
über Berge und Tal,
dann erinnere dich,
daß es anderes gibt
als vergangenes Weh
und sieh deine Tochter,
wie sie Bilder malt,
mit roten Girlanden,
mit Vogelgezwitscher,
Wollgraswölkchen
und blauen Träumen
hinter der Stirn,
auf Steine und Fenster
und hellem Papier.

Wenn dich Weinen erreicht,
das der Nacht
und der Einsamkeit
und das der Zuflucht,
die du gestreut,
da du Hoffnung gewesen,
über Wiese und Feld,
dann erinnere dich,
daß es mehr noch gibt
als die vergangene Zeit
und sieh deine Kinder,
wie sie Bilder malen,
zuhause im Glück,
mit Fingerfarben,
mit Augen, die lachen,
und bunten Träumen
hinter der Stirn,
auf Wände und Türen
und hellem Papier.

Zum Buch
Rast-Stätte
Autobahn, Zündschlüssel abzie-
hen, aussteigen, tief durchatmen.
Dann Salatbuffet, ein Espresso,
vielleicht eine Zigarette. Das ist
die erste Assoziation. Rast-Stätte
kann aber auch ein Buch sein:
Literatur, die uns bewegt, inne zu
halten, den Lärm des Alltags und
die Hektik, die uns gewöhnlich
umtreibt, für kurze Zeit abzuchüt-
teln. Rast gehört zum Leben, zum
Menschsein. Diese Sammlung neu-
er Lyrik mit ihren vielfältigen
Gedanken möchte Lesern eine
Rast-Stätte sein, denn es ist gerade
das Gedicht, das in seiner Kürze
Denkanstöße zu geben vermag,
einen lehren kann, in sich zu gehen,
mit den eigenen und den Gefühlen
anderer umzugehen, zu verstehen,
Worte zu finden, die befreiend
sind, weil man selbst oft wortlos ist.

142 S./12,5 x 21,5 cm
15,-- Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1022

Aus dem Inhalt, Seite 97

Unter Regen, Wind

Unter Regen, Wind
und Taggestirnen,
deine Lippen,
unbekümmert
wie ein Flug von Vögeln,
wandern in der Frühe aus,
und dein Haar
mit bunten Bändern,
das an meiner Stirne schläft,
träumt von Schiffen,
die ich kenne,
und von meiner Wiederkehr.

Unter Sonnen, Licht
und Windgewächsen,
deine Augen,
unbelastet
wie ein Schritt von Segeln,
breiten sich ins Helle aus,
und dein Haar
mit blonden Küssen,
das an meiner Stirne weht,
spricht von Sehnsucht,
die ich kenne,
und von meiner Wiederkehr.

Unter Monden, Nacht
und Widerhall,
deine Worte,
unbekümmert
wie ein Hauch von Flügeln,
wandern über Sternen aus,
und dein Haar
mit sanften Rissen,
das aus meiner Stirn sich löst,
spricht von Armut,
die ich kenne,
und von keiner Wiederkehr.
 
 

 
 

Zum Buch
LYRIK HEUTE
Marcel Reich-Ranicki sagte in
seinem Vortrag "Lyrik wozu?"
"Es gibt Millionen Menschen,
die noch nie Gedichte gelesen
haben, und sie leben auch.
Aber besser lebt es sich mit
ihnen." Der Sinn der Lyrik ist
damit ausgedrückt. Mit ihr leben
- das bedeutet heutzutage, sich
mit ihr wieder anfreunden zu
müssen, das setzt Kennenlernen
voraus. Und was wäre dazu
geeigneter als eine Anthologie?
Gedichte wollen und können
Fragen aufwerfen und ebenso
Antworten geben. "Der Lyriker
bietet uns die Pause, in der Zeit
stillsteht", sagt Hilde Domin.

224 S./10 x 21 cm
16,50 Euro, zzgl. Vers.
Best.Nr.: Buch 1023

Aus dem Inhalt, Seite 157

Noch keine Wildgänse

Noch keine Wildgänse.
Ich muß mich kümmern,
der Sommer war lang
und die Ernte atmet
schwer auf dem Feld,
und ich habe verloren
mein Mädchen, das Schöne,
da die Sonne noch stand
so hoch am Himmel
über Wiesen, die warm
und zum Schlaf geladen
auch uns, die wir
zu lange gebraucht
für passende Worte
und vor Zaudern vergaßen,
die Würfel zu werfen
zur rechten Zeit
zwischen Feuer und Rauch.

Noch keine Schneise
für schwärmende Vögel.
Ich muß mich kümmern,
die Hitze war lang
und die Früchte hängen
voll Schwere herab,
und ich habe verloren
mein Mädchen, das Schöne,
da die Schatten noch hell
und zum Greifen nah
mit Anmut gespielt
hoch über dem Bach
und zur Liebe geladen
auch uns, die wir
zu lang uns geziert,
den Bogen zu spannen
der Saite, die schlief
zwischen Feuer und Rauch.

Zum Buch
O du allerhöchste Zier
Unter dem Titel dieser Anthologie,
es ist die dritte Zeile aus dem
Volkslied "Lebewohl", liegt eine
Auswahl neuerer Lyrik zum Thema
Abschied und Sehnsucht vor,
die wieder Freude am Gedicht
wecken möchte. Denn, so drückt es
Hans-Jürgen Heise aus:
"Nur dort, wo sich ein Mensch zu
erkennen gibt, ist damit zu rechnen,
dass andere Menschen neugierig
werden, näher treten, zuhören, sich
einfühlen, auch abgrenzen; kurz:
das Gedicht muss seine dialogischen
Fähigkeiten zurückgewinnen.

222 S./12,5 x 21,5 cm
16,50 Euro, zzgl.Vers.
Best.Nr.: Buch 1024

Aus dem Inhalt, Seite 181

Und später dann

Und später dann,
wenn nichts mehr bleibt,
und wenn du dann,
trotz allem,
immer noch heimlich
meinen Traum durchquerst
in wehrloser Nacht,
mach ich mich auf
und suche dich,
die du,
mit Schatten flüsternd,
Qualen gelegt
an die großen Entwürfe
meiner klingenden Zeit.

Und dann am Tag,
wenn alles schweigt,
und wenn du dann,
trotz allem,
immer noch plötzlich
meine Wege kreuzt
in hellem Licht,
mach ich mich auf
und folge dir,
die du,
mit Sonnen flüsternd,
Hoffnung gelegt
an die großen Entwürfe
meiner kommenden Zeit.

Und dann am Abend,
wenn alles schläft,
und wenn du dann,
trotz allem,
immer noch lächelnd
meine Schwärze streifst
im Traum des Monds,
mach ich mich auf
und treffe dich,
die du,
von Liebe flüsternd,
mein Herz gelegt
in die Arme des Glücks
meiner verlorenen Zeit.